Interview: Was macht eigentlich ein Webdesigner?

Interview mit Anna Kiefer von www.sprache-medizin.de: Webfabrikant Jacek Kuclo aus Hannover gestaltet Websites für kleine, mittlere, große und ganz kleine Unternehmen. Der Mediendesigner versteht sich dabei als Bindeglied zwischen Technik und Kreativität. Anna Kiefer sprach mit ihm über seine Arbeit, die für ihn mehr ist als nur ein Job.

Webdesigner, Grafikdesigner, Mediengestalter, Webfabrikant … das ist alles ziemlich verwirrend. Worin besteht der Unterschied? Und was davon sind Sie?

Es ist richtig, dass viele dieser Branchen heute große Schnittmengen miteinander haben. Ich vergleiche das immer gern mit dem Hausbau: Wenn man ein Haus baut, braucht man einen Architekten und einen Bauingenieur. Der Architekt entwirft (designt) das Haus, zeichnet Grundrisse, legt die Anzahl der Räume fest und gestaltet es. Der Bauingenieur setzt das um, was der Architekt entworfen hat. So ähnlich ist es auch bei Websites: Architekt ist in dem Falle der Webdesigner, der Bauingenieur ist der Mediengestalter. Ich bin beides. In erster Linie bin ich Webdesigner, sehe mich selbst jedoch auch als Partner rund um Website-Fragen. Meiner Meinung nach ist es die Kombination aus kreativen Ideen und technischer Umsetzung, die meinen Job als freiberuflicher Webdesigner so einzigartig macht. Als Webdesigner ist man so etwas wie ein Bindeglied zwischen Technik und Kreativität.

Und das bedeutet was genau? Programmieren Sie Websites?

Bei einer Website gibt es zwei Arten von Programmiersprachen: Eine relativ einfache für den Browser (JavaScript) und eine komplexe für den Server (PHP). Als Webdesigner nutze ich die einfache Programmiersprache, wenn ich Seiten in WordPress gestalte. Ich kann WordPress-Funktionen erweitern oder Plugins so optimieren, dass sie sich gut ins Gesamtdesign der Website einfügen. Die Website soll ja schließlich aus einem Guss sein und stimmig aussehen. Wenn eine Website bestimmte Sonderfunktionen haben soll, arbeite ich mit jemandem zusammen, der die komplexe Programmiersprache beherrscht. Letztes Jahr habe ich beispielsweise eine Seite für einen Blutspendedienst eingerichtet. Ein Wunsch war, dass über die Website online Spenden gesammelt werden können. Gleichzeitig sollten die Spender die Möglichkeit erhalten, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Dafür habe ich mich dann mit einem PHP-Programmierer zusammengesetzt und einen Online-Shop so umgearbeitet, dass die Leute mit der Spende ein Los bekamen.

Die Wünsche Ihrer Kunden sind bestimmt sehr unterschiedlich, oder?

Ja. Das ist schon allein deswegen so, weil meine Kunden aus den verschiedensten Branchen kommen. Eine Social-Media-Agentur, ein Chocolatier und ein großer Freizeitbetrieb mit Saunalandschaft gehören ebenso zu meinen Kunden wie eine Übersetzerin für Französisch, um nur einige Beispiele zu nennen. Vor ein paar Jahren habe ich auch mal eine Website für einen Katalysator-Hersteller für Biogasanlagen entwickelt. Und durch einen Fensterbauer habe ich sehr viel über Fenster und Wintergärten gelernt. Aber genau das liebe ich an meinem Job!

Meine Kunden erzählen mir, was sie sich für ihre Website vorstellen. Ich lasse mir dann etwas einfallen und stelle meinen Kunden diese Idee vor. Wenn sie ihnen gefällt, kümmere ich mich darum, diese Ideen auf attraktive Weise umzusetzen.

Wo kann man das lernen?

Es gibt verschiedene Ausbildungen und Studienrichtungen. Ich habe in Köln und Trier studiert und meinen Master in Mediendesign gemacht. Ein Projekt, das mir in Erinnerung geblieben ist, war ein Kurs über Interface-Design und User-Experience gleich zu Anfang des Studiums. Die deutsche Bahn lud unseren Kurs in die Zentrale nach Frankfurt ein und berichtet uns von ihren Problemen. Ein Thema war, dass es auf manchen Strecken kein Internet gibt, weil die Funkverbindung fehlt. Von uns wollten sie wissen, was wir darüber denken. Als Studierende sollten wir uns überlegen, was man den Leuten anbieten könnte. Jeder von uns muss dann eine App grafisch entwickeln, als Semesterprojekt. Ob die Bahn am Ende eine davon übernommen hat, weiß ich leider nicht. Aber es war spannend, von denen eingeladen zu werden und in kleinen Gruppen Lösungen zu erarbeiten.

Und was ist mit Branchenkenntnis? Wie können Sie eine Website für einen Kunden gestalten, wenn Sie eigentlich gar keine Ahnung von seinem Beruf haben?

Um eine maßgeschneiderte Website zu schaffen muss ich meinen Kunden zu Beginn eine ganze Reihe Fragen stellen, um zu verstehen, was genau sie brauchen und wollen. Mein Job ist es, hier konkret nachzufragen und herauszufinden, was sie sich vorstellen und wie ich ihnen helfen kann. Wenn es von der räumlichen Entfernung her machbar ist, besuche ich sie auch vor Ort. Dadurch bekomme ich eine genauere Vorstellung davon, was mein Kunde macht, und wir kommen besser ins Gespräch, um Ideen zu entwickeln. Ich finde es spannend, was meine Kunden machen – egal wie groß oder klein die Unternehmen sind. Und ich nehme mir Zeit, die Menschen kennenzulernen.

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einer Website für ein Restaurant und einer Website für einen Anwalt. Eine Restaurant-Website muss ansprechend aussehen, den Stil des Restaurants auch online präsentieren und einladend wirken. Für einen Anwalt ist ein absolut seriöser Eindruck wichtiger. Hier spielen vertrauenerweckende Farben, Schriftarten und klare Aussagen eine große Rolle. Am Ende wollen jedoch beide das Gleiche: Mehr zahlende Kundschaft. Und dafür muss die Website gewisse Grundlagen erfüllen damit die Website-Besucher zu Gästen oder Klienten werden.

Wie viel Zeit muss man als Auftraggeber ungefähr einplanen, wenn man eine komplett neue Website von Ihnen erstellen lassen will?

Das hängt stark davon ab, welche Vorüberlegungen und Vorbereitungen der Auftraggeber bereits getroffen hat. Steht zum Beispiel die Struktur oder wurden schon Fotos ausgewählt?

Oft wissen die Kunden, was ihre Website können soll. Zur Gestaltung haben sie aber meistens keine Ideen, wenn man mal von der Farbe oder dem Corporate Design absieht und brauchen Inspiration. Je nach Situation entwerfe ich dann zum Beispiel eine Skizze auf Papier, damit man sich losgelöst von Farben erstmal auf den Aufbau konzentrieren kann. Anderen Kunden zeige ich zwei bis drei Designvorlagen, aus denen sie ihren Favoriten auswählen.

Wenn alle Texte und Fotos bereitgestellt wurden, sollte man für eine kleinere, überschaubare Website etwa drei bis vier Wochen einplanen. Der Umbau eines Online-Shops für einen Spendenfunktion mit Gewinnspiel dauert natürlich länger – drei bis vier Monate kann man da schon einrechnen.

Bei kreativen Arbeiten ist es oft so, dass dem Kunden oder mir zwischendurch noch etwas einfällt. Damit man sich hier nicht verzettelt, sollte man sich Deadlines für Zwischenziele setzen. Und in manchen Fällen kommen organisatorische Schwierigkeiten auf Seite des Kunden hinzu, wenn etwa Zuständigkeiten unklar sind oder sich rechtliche Fragen ergeben. Dadurch kann sich das Ganze natürlich verzögern.

Und wie sieht es mit den Kosten aus? Ein Solo-Selbstständiger oder ein gemeinnütziger Verein kann vielleicht einfach nicht so viel in seinen Webauftritt investieren wie eine größere Firma … ?

Meistens stellt sich im ersten Beratungsgespräch heraus, was von den Wunschvorstellungen umsetzbar ist und was nicht. Dann ist auch ungefähr klar, wie viel Arbeitszeit in der Website stecken wird, und daraus ergibt sich ja dann der Preis. Meine Beratungsgespräche stelle ich übrigens nicht in Rechnung, weil mir der Austausch mit den Kunden wichtig ist – und weil ich nett bin (grinst).

Wenn der Kunde nur eine kleine Website mit wenigen Unterseiten möchte und Texte und Bilder gut vorbereitet hat, berechne ich in etwa einen Tagessatz. Sollen die Texte und Fotos von mir kommen, dauert das Ganze natürlich länger und kostet entsprechend mehr.

Angesichts der Corona-Pandemie haben viele Unternehmer ein großes Problem: Mit der Auftragslage ist auch die finanzielle Situation unklar. Große Investitionen scheinen derzeit nicht sinnvoll. Ist es da nicht besser, Investitionen in eine Website auf später zu verschieben?

Das Schöne an Websites ist, dass sie stets erweitert und gepflegt werden können. Für den Start, also das live-Gehen der Website, müssen noch nicht alle Funktionen da sein. Der Chocolatier zum Beispiel brauchte zunächst nur ansprechende Fotos und eine Seite mit Telefonnummer und Öffnungszeiten. Die Speisekarte ging erst später online. Auch Kundenstimmen oder die Firmengeschichte sind zunächst nicht zwingend notwendig, damit ein Webauftritt starten kann. So kann man die Kosten zu Beginn gering halten und alles Weitere mit der Zeit einpflegen, wenn wieder Geld übrig ist.

Wer die Corona-Zeit nutzen möchte, kann mit mir gemeinsam überlegen, wie man seine Website verbessern kann. Dazu setzen wir uns zu einem ersten kostenlosen Beratungsgespräch zusammen, in dem der Kunde alle Fragen vorab klären kann. Dabei entstehen zunächst keine Kosten. Und es ist durchaus nicht unüblich, dass manche Kunden sich erst ein paar Monate nach dem Beratungsgespräch wieder melden, weil sie im laufenden Geschäft einfach keine Zeit gefunden haben, sich weiter mit ihrer Website auseinanderzusetzen.
Autorin / Urheberrecht: Anna Kiefer

Anna Kiefer ist Sprachdienstleisterin. Als freiberufliche Texterin führt sie Interviews mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich Content für ihre Website wünschen. Als freiberufliche Journalistin schreibt sie auch journalistische, nicht-werbliche Beiträge für Zeitungen und Fachzeitschriften.

Weitere Beispiele und Texte: https://sprache-medizin.de/aus-meiner-feder/

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